Bis vor einiger Zeit waren Tätowierungen in unserer Gesellschaft schief angesehen. Wer ein Tattoo hatte, stand schnell im Verdacht, zum Rockermilieu oder sonst zur Halbwelt zu gehören oder einmal im Gefängnis gewesen zu sein. Das hat sich gründlich geändert. Tattoos sind heute geradezu ein Modephänomen. Dennoch führen sie bei der Bewerbung für den Polizeivollzugsdienst des Bundes und der Länder immer wieder zu Problemen.

Warum sind Tattoos bei der Bewerbung zur Polizei überhaupt relevant?

Nach der Rechtsprechung der Verwaltungsgerichte hat die Polizei eine besondere Neutralitäts- und Repräsentationsfunktion. Jeder Polizeibeamte vertritt nach außen den Staat und muss dabei in besonderem Maße Unvoreingenommenheit ausstrahlen. Tätowierungen können genau das verhindern, insbesondere wenn sie bestimmte problematische Motive haben. Denn sie sind oft nicht nur Körperschmuck, sondern haben auch eine besondere kommunikative Wirkung nach außen (siehe dazu VGH Mannheim, Beschluss vom 12.7.2018 – 4 S 1439/18). Verfassungsrechtlich geht es bei der Frage, ob Polizeibeamte Tattoos haben dürfen, um die persönliche Eignung nach Art. 33 Absatz 2 Grundgesetz und die Verfassungstreuepflicht aus Art. 33 Absatz 5 Grundgesetz.

Hat man mit einem Tattoo von vornherein bei der Bewerbung als Beamter für die Polizei keine Chance?

Ein Tattoo führt nicht automatisch dazu, dass ein Bewerber abgelehnt wird. Die verschiedenen Bundesländer legen nicht immer dieselben Maßstäbe an. Auch die Bundespolizei hat eigene Vorgaben für den Fall, dass Bewerber tätowiert sind. Entscheidend sind mehrere Faktoren, nämlich die Lage, die Größe und vor allem das Motiv des Tattoos.

Was gilt für im Dienst sichtbare Tattoos?

Besonders problematisch sind bei Bewerbern unabhängig vom jeweiligen Motiv solche Tattoos, die im Dienst normalerweise sichtbar sind. Das sind Tattoos im Gesicht, am Hals, an den Händen und wegen der kurzärmeligen Sommeruniform auch an den Unterarmen. Hier muss man allerdings differenzieren: So gibt es durchaus Dienstherren, für die ein Tattoo am Unterarm solange kein Ausschlussgrund ist, wie es sich in geeigneter und dezenter Weise abdecken lässt. Dabei darf die Abdeckung den Polizeibeamten nicht im Dienst behindern. Eine geeignete Abdeckung könnte zum Beispiel ein hautfarbenes Pflaster sein.

Was gilt für im Dienst nicht sichtbare Tattoos, und welche Rolle spielt der Inhalt?

Auch Tattoos, die im Dienst gar nicht sichtbar sind, etwa am Rücken oder an den Oberschenkeln, können bei einer Bewerbung zum Ausschluss führen. Grund hierfür ist, dass solche Tattoos in der Freizeit wahrnehmbar sind. Sieht man als Bürger zum Beispiel einen Polizeibeamten mit tätowiertem Rücken im Freibad und trifft diesen später zufällig im Dienst wieder, kann das Zweifel an der Neutralität des Beamten hervorrufen. Dafür genügt aber nicht jedes beliebige Tattoo. Im Dienst nicht sichtbare Tattoos werden erst dann zum Problem, wenn sie bestimmte Inhalte haben, die das Ansehen der Bundesrepublik Deutschland oder der Polizei beeinträchtigen können. Das ist bei rechts- und linksextremen oder sonstigen extremistischen Motiven der Fall, ebenso bei entwürdigenden, sexistischen, gewaltverherrlichenden oder menschenverachtenden Motiven. Natürlich ist der Inhalt auch bei solchen Tattoos wichtig, die im Dienst sichtbar wären.

Was ist zu tun, wenn man wegen eines Tattoos abgelehnt wird?

Wird man bei der Bewerbung für die Polizei wegen eines Tattoos abgelehnt, bestehen oft gute Chancen, mit Erfolg gegen die Ablehnung vorzugehen. Das betrifft vor allem solche Fälle, in denen der Ablehnungsgrund in einem bestimmten tätowierten Motiv liegt. Vor den Verwaltungsgerichten landen immer wieder Fälle, in denen die Beteiligten den Inhalt eines Tattoos sehr unterschiedlich interpretieren. Häufig prüfen die Verwaltungsgerichte dann die Ablehnung wegen des Tattoos sehr genau. Wichtig ist es bei einer solchen Ablehnung, keine Zeit zu verlieren, da es bei der Bewerbung für die Polizei regelmäßig nur einen oder zwei Einstellungstermine pro Jahr gibt. Man sollte daher einen auf das Beamtenrecht spezialisierten Anwalt beauftragen, gegen den Ablehnungsbescheid vorzugehen und zugleich mit einem gerichtlichen Eilverfahren die weitere Teilnahme am Auswahlprozess sicherzustellen.